Das Festival des Templiers – Trailfest mit französischem Charme

von | 28. März 2023 | Reportagen, Läufe

Es gibt Laufveranstaltungen, die eine besondere Aura umgibt. Die einen in den Bann nehmen, auch wenn man noch nie dort war. Die Geschichten erzählen. Die einen davon träumen lassen, dass man irgendwann einmal teilnimmt und eintaucht in diese Stimmung. Die in einer einzigartigen Landschaft stattfinden. Eine dieser Veranstaltungen ist das Festival des Templiers in Millau, Südfrankreich.

Als wir 2015 die Welt des Trailrunnings entdecken, ist das Festival des Templiers eines der ersten Events, die auf unserem Radar erscheinen. Es ist auf diesem Radar geblieben und letztes Jahr hatten wir endlich die Möglichkeit, dabei zu sein.

Millau liegt inmitten des Regionalen Naturparks der Grands Causses. Die „Causses“, das sind verschiedene Hochebenen mit jeweils eigenem Charakter, durchschnitten von Schluchten und geprägt von bizarren Felsformationen. Früher hatten sich hier Tempelritter niedergelassen, woher auch die Namensgebung der Veranstaltung kommt. Zusammen mit den Cevennen sind die Causses sogar Weltkulturerbe der UNESCO.

Millau ist vielseitig: Es ist für seine traditionsreiche Handschuhfabrikation bekannt und seit 2004 für ein spektakuläres Viadukt über den Tarn. Außerdem findet hier seit 1972 der wohl bekannteste 100 km-Straßenlauf in Frankreich statt. Ach, und Millau ist die Hauptstadt des französischen Trailrunnings. Ihr hättet auf Chamonix getippt? Wir beweisen euch das Gegenteil (was den Reiz und die Attraktiviät von Chamonix in keinem Falle schmälern soll).

Wer die Geschichte des Festival des Templiers erzählen will, erzählt zugleich die Geschichte des Trailrunnings in Frankreich, denn es war hier eines der allerersten Trailevents. 1995 fand die Premiere statt, die sich Grande Course des Templiers nannte und 65 km lang war. Die Idee hierzu hatten Gilles Bertrand und seine Frau Odile Baudrier, die inspiriert waren von den amerikanischen Ultraläufen Leadville und Western States. Zwei Jahre später wird der Start vom kleinen Dorf Sainte-Eulalie-de-Cernon in das nur wenige Kilometer entfernte und etwas größere Nant verlegt. Das Event wächst und 1999 wird eine 120 km-Strecke angeboten, der „millau coEndurance Trail“, der aber nur 2004 wiederholt wird und erst ab 2009 seinen festen Platz im Programm findet. Das Angebot wird ab 2004 aber auch auf den kürzeren Distanzen erweitert, zunächst um einen Lauf für Frauen, einen für Kinder, eine 18 km-Route und dann auch um einen Marathon. Der Festivalcharakter entsteht und die Teilnehmer*innenzahlen steigen kontinuierlich. Im Jahr 2006 wird beim Hauptlauf, der Grande Course des Templiers, erstmal die Zahl der 2.000 Starter*innen überschritten.

Der Ort Nant platzt mittlerweile aus allen Nähten und kann so viele Menschen gar nicht unterbringen. Das führt letztlich zu der Entscheidung der Veranstalter, das Festival ab 2010 nach Millau zu verlegen, was eine bessere Infrastruktur bietet. Nant gründet daraufhin einfach seine eigene Veranstaltung, den Trail des Hospitaliers. In Millau wird das Festival des Templiers derweil weiter ausgebaut und es kommen weitere Strecken hinzu. Auf den Trails läuft inzwischen nicht nur die französische Trail-Elite, sondern auch internationale Top-Läufer*innen reisen nach Millau. U.a. Nuria Picas, Emelie Forsberg, Lizzy Hawker, Ruth Croft, Jared Hazen, Dylan Bowman, Miguel Heras, Jonathan Albon und Jim Walmsley laufen den Grand Trail des Templiers.

In den letzten Jahren hat sich in der Trailszene einiges getan und verändert, doch das Festival des Templiers geht eigene Wege. Die Veranstaltung gehört zu keiner der großen Laufserien und hat sich als unabhängiges Festival etabliert. Doch die Läufe sind ausverkauft, die Plätze des Grand Templier sind in kürzester Zeit vergeben und Profis nehmen nach wie vor daran teil. Oder ist gerade das das Erfolgsrezept?

INFOBOX

Läufe:
Le Grand Trail des Templiers: 80 km, +3.477 Hm
Endurance Trail: 106 km, +4.580 Hm
Intégrale des Causses: 64 km, +2.755 Hm
Boffi Fifty: 48 km, +2.300 Hm
Marathon du Larzac: 36 km, +1.420 Hm
Monna Lisa: 29 km, +1.091 Hm
Dourbie Formi: 25 km, +1.260 Hm
VO2 Trail: 17 km, +711 Hm
Marathon des Causses: 35 km, +1.580 Hm
Les Troubadours: 11 km, +506 Hm
La Templière: 7 km, +274 Hm (Frauenlauf)
Kinder- und Jugendläufe
La Belle de Millau (Walking-/Spendenevent)

 19.-22. Oktober 2023

Startplätze:

Einige Distanzen sind schon ausverkauft. Startplätze gibt es aktuell noch für die Läufe Endurance Trail, Marathon du Larzac, Marathon des Causses, Monna Lisa, Dourbie Formi, VO2 Trail, Trail des Troubadours, La Templière, Kinder- und Jugendläufe sowie Belle de Millau.

Während es beim UTMB in Chamonix sehr international zugeht, herrscht hier französischer Trailcharme. Die große Mehrheit der Teilnehmer*innen kommt aus Frankreich und das Event ist sehr mit der Region verwurzelt. Im Goodie-Bag für die Läufer*innen finden sich regionale Produkte, auf dem Festivalgelände gibt es nicht nur Pommes und Streetfood, sondern eine riesige Käseauswahl aus der Region und duftendes Gebäck aus der lokalen Bäckerei. Ein Highlight ist auch die Verpflegung während des Laufs, hier wird ordentlich aufgetischt und das Essen richtig liebevoll serviert. Es ist viel zu schade, hier schnell vorbeizulaufen. Eigentlich sollte man sich hier anmelden ganz ohne sportliche Ambitionen, sondern des puren Genuss wegen.

Wir haben das Gefühl, dass sich hier die gesamte Trailszene Frankreichs trifft. Von überall aus dem Land reisen die Leute an, allein, mit Freunden oder der ganzen Familie. Es wird gelaufen, klar, aber auch gefeiert. Man trifft sich, sitzt zusammen, tauscht sich aus und da sich das Event über drei Tage erstreckt, findet immer irgendein Start statt oder es läuft jemand über die Ziellinie.

Wer sich noch mit Material oder Verpflegung eindecken muss, Schuhe testen möchte oder sich Ideen für die nächsten Läufe holen will, kann das auf der großen Trailmesse tun. Hier sind alle bekannten Marken und für uns auch ein paar Neuentdeckungen dabei.

Vor unserem Aufenthalt in Millau haben wir übrigens ein paar Tage ganz zufällig in Nant verbracht, wo das Event viele Jahre stattgefunden hat. Hier bekommen wir auch kritische Stimmen über das Festival des Templiers zu hören. Es sei alles zu groß geworden und nur noch Business. Wir sind daher gespannt, wie es auf uns wirkt. Ja, es ist groß. Ja, es ist viel los. Ja, die Startgebühren sind nicht gerade wenig mit z.B. 105 € für den Grand Trail. Natürlich fließt hier Geld. Es ist kein Verein, der das Event organisiert, sondern ein mittlerweile professioneller Veranstalter. Wir haben aber überhaupt nicht das Gefühl, dass man hier über’s Ohr gezogen wird. Für das Geld bekommt man wirklich etwas. Da haben wir schon ganz anderes erlebt. Dieses Jahr gibt es außerdem die Möglichkeit, sich für den Endurance Trail etwas vergünstigt anzumelden und im Gegenzug auf die sonst im Startgeld inkludierten Geschenke zu verzichten. Auch neu ist der Lauf Dourbie Formi, dessen Startgebühr ebenfalls günstiger ist, da hier erst gar kein Startergeschenk und nur eine Verpflegungsstelle vorgesehen ist. Man muss aber Lust haben auf ein großes Event, das ist richtig.

ANREISE

Von Deutschland aus liegt Millau nicht um die Ecke, weshalb sich die Teilnahme eigentlich nur lohnt, wenn man sie mit Urlaub verknüpfen kann. So kommt ihr hin:
Mit dem Auto: über Lyon und Clermont-Ferrand, ab Frankfurt sind es ca. 1.050 km. (Mautgebühr in Frankreich)
Mit dem Zug: über Paris und Béziers oder Rodez, was aber ziemlich lange dauert, vielleicht besser eine Übernachtung einplanen.

UNTERKUNFT

Wir haben auf einem Campingplatz übernachtet (Camping Larribal), von dem man in wenigen Minuten beim Festivalgelände ist. Campingplätze gibt es einige, die sich allerdings während des Festivals füllen. Also reserviert besser euren Platz.

Wer also Lust hat auf ein Trailerlebnis mit französischem Charme, Festivalcharakter und in einer faszinierenden, einzigartigen Landschaft, der*dem können wir das Event nur empfehlen. Wer unabhängig vom Event die Trails entdecken möchte, findet rund um Millau sehr gut ausgeschilderte Strecken und kann sich hier die Tracks runterladen.

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